Neues Nachhaltigkeits-Dogma: Vögeln verboten?

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Wir wussten bereits: blöd, dieses dauernde Fernfliegen. Auch Essen dürfen wir guten Gewissens gar nichts mehr, so scheint’s.

Und nun das: Verena Brunschweiger, eine kinderlose Lehrerin, warnt vorm Kinderkriegen. Das sei „das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann“. So schlimm, dass sie darüber ein Buch geschrieben hat. Sage und schreibe 58,6 Tonnen pro Jahr (!) verursache ein einziges Kind!

Die Dame denkt daher: “In der Welt, in der wir mittlerweile leben, ist die Entscheidung für ein Kind faktisch nicht mehr guten Gewissens zu unterstützen.” Wer Kinder kriegt, der - so muss man’s wohl verstehen - gefährdet also die Zukunft der Menschheit.

 
Quelle: www.perspective-daily.de

Quelle: www.perspective-daily.de

 

Sapperlot! Und wie retten wir jetzt die Welt? Vögeln verbieten? Nur noch gleichgeschlechtlich? Kastrations- oder Kondompflicht? Und falls Letzteres, müssen die dann recycelt sein?

Bevor wer sich zu zweit vergnügt nun innehält: Frau Brunschweiger schwingt sich mithilfe fragwürdiger „Fakten“ zur Umweltikone herauf.

58,6 Tonnen pro Kind pro Jahr?!

Die Durchschnittsdeutsche ist zur Zeit ursächlich für jährlich knapp 9 Tonnen CO2. Und ein einziges Kind versiebenfacht die eigenen Emissionen? Wie kommt diese Zahl eigentlich zu Stande?

Sie stammt aus einer Studie aus dem Jahr 2017. Ihre Autoren haben ein seltsames Verständnis von “Verursachung”. So haben sie sämtliche Emissionen der Nachkommen ihren Vorfahren zugerechnet. Die der Kinder zur Hälfte auf jeden Elternteil, der Enkel zum Viertel auf ihre Großeltern – und so weiter, bis ins (völlig willkürliche) Jahr 2400.

Doch eine Tonne CO2 kann nur einmal emittiert werden. Wenn Emissionen der Kinder als eigene berechnet, basiert Frau Brunschweigers Moral also auf der Annahme, dass künftige Generationen für künftige Emissionen keine eigene Verantwortung tragen?


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Wenn’s so einfach sein sollte: Können wir dann nicht einfach sagen, dass unsere Eltern Schuld waren an unseren jetzigen und künftigen Emissionen? Oder noch besser: Wir reichen den schwarzen Peter durch an diese Gruppe Urmenschen aus Afrika, von denen wir alle abstammen. Die sind Schuld an all unseren Sünden!

Ebenso wäre man dann also für, sagen wir, 529 Parktickets, 6,3 Seitensprünge 0,002 Morde verantwortlich? Eine solche Zuweisung von Verantwortung ist natürlich quatsch.

 
Kinderwunsch: Just say no?

Kinderwunsch: Just say no?

 

Die Studie, dank derer der Wert von 58,6 Tonnen nun über Presseticker und durch Wohnzimmer geistert, funktioniert übrigens mit zahlreichen Annahmen. Eine davon: Die Pro-Kopf-Emissionen der Menschheit bleiben bis ins Jahr 2400 unverändert. Das ist, gelinde gesagt, recht pessimistisch.

Apropos Pro-Kopf-Emissionen: Die Daten der Studie stammen aus den 11 bevölkerungsreichsten Ländern der Erde, darunter keines in Europa.

Unter 4 Tonnen?

Auf spektrum.de rechnet Christopher Schrader nach: Was wird aus den 58,6 Tonnen, wenn man davon ausgeht, dass die Menschheit bis 2100 ihre CO2-Emissionen um 85% sinkt (für die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens wäre das übrigens nicht ausreichend). Die für die USA errechneten Werte wurden dabei proportional auf Deutschland übertragen.

Das Ergebnis: Eine Größenordnung von hierzulande nur noch 4 Tonnen (wenn man sich denn die Ich-bin-für-alle-Nachverfahren-verantwortlich-Logik zueigen machen möchte).

4 Tonnen - ist das also die jährliche Belastung meines potenziellen künftigen Kindes inklusive der Nachfahren?

Nun, keine Ahnung! Weder ich, noch Frau Brunschweiger, noch die Autoren der Studie. Denn das hängt von einer ganzen Menge an Eizelfallfaktoren ab. Unter anderem davon, wie umweltbewusst Du Dein Kind erziehst.

Dein Kind: Mehr als ein paar Tonnen

Die Umweltkriegerin Frau Brunschweiger verschweigt nämlich: Ihre Kinder, die sie zwecks Weltenrettung nicht bekommen möchte, hätten vielleicht zur Lösung der Klimakrise beitragen können. Wer weiß, ob sie mit ihrem famosen Umweltbewusstsein nicht die nächste Greta Thunberg herangezogen hätte! Die echte Greta hat übrigens ihre als Opernsängerin um die Welt jettende Mutter bekehrt: Sie singt nun Musicals in Stockholm. Auch diesen Effekt können Kinder also auf ihre Eltern haben.

Natürlich, vielleicht hätte Frau Brunschweiger auch einen hysterischen Nachhaltigkeits-Jünger großgezogen. Einen, der mittels fehlerhafter Fakten die Nachhaltigkeitsdebatte vergiftet und sich selbst daran über Buchverkäufe bereichert.

Wir werden’s wohl nie wissen.

Sicher sein dürfte aber: Es würde wenig helfen, verhielten sich alle wie die zeugungsunwillige Staatsbedienstete: Eine vergreisende Gesellschaft schafft (von der Herausforderung Rente ganz zu schweigen) kaum die Voraussetzung für den so dringend erforderlichen politischen Wandel in Sachen Nachhaltigkeit. Denn jüngere Menschen sind für das Problem Klimawandel besser sensibilisiert, sie sind besser informiert und – siehe Friday for Future – setzen sich mittlerweile am öffentlichkeitswirksamsten dafür ein. 


 
Gegen Klimawandel protestierende Kinder: Auch eine Gefahr für das Weltklima?

Gegen Klimawandel protestierende Kinder: Auch eine Gefahr für das Weltklima?

 

Sie, liebe Frau Brunschweiger, möchten keine Kinder. Das ist ihr gutes Recht. Und das von Ihnen adressierte Problem der Überbevölkerung existiert. Das effektivste Gegenmittel ist allerdings nicht die Diffamierung von Müttern, sondern erwiesenermaßen Bildung der Frauen.

Bevor Sie sich beim Bewerben ihres Bestsellers also zum Richter über anderer Leute Lebensplanung erheben, während Sie die Bevormundung Ihres Lebens paradoxerweise gleichzeitig kritisieren: Hinterfragen Sie doch bitte die Zahlen, die Sie in den Talkshows hinausposaunen. Mythen und falsche Dogmen durchziehen Debatten über Nachhaltigkeit bereits genug.

Als Lehrerin alle Kinder so über einen Kamm zu scheren – Pfui!

Über einen Kamm zu scheren ist übrigens nicht nur beim Vermehren so eine Sache. Auch Fliegen kann unter gewissen Umständen manchmal die nachhaltigere Alternative sein. Und sogar beim Klimakiller Fleisch gibt’s Ausnahmen: Wildfleisch zum Beispiel verbraucht weniger Ressourcen als ein Biosalat. Weil wir bei Better Foodprint die Emissionen außerdem doppelt kompensieren, ist der Erwerb sogar ein kleiner Beitrag zum Klimaschutz. 

Mit anderen Worten: Ob Fleisch, fliegen oder fermehren: Es kommt immer darauf an.

 
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